Rund 800’000 vorwiegend junge Soldaten wurden in den Jahren 1986 und 1987 am zerstörten Reaktor von Tschernobyl als “Liquidatoren” eingesetzt, um das Ausmass der Katastrophe einzugrenzen. Fast die Hälfte waren Ukrainer. Die Hälfte ist gestorben, die allermeisten sind krank.

30 Jahre nach Tschernobyl scheint das Leben in den verstrahlten Gebieten im Süden Weissrusslands wieder weitgehend normalisiert. Doch die Abgründe sind nah.

 

Offiziell ist jede Besiedlung der 30 Kilometer – Sperrzone rund um den zerstörten Reaktor in Tschernobyl verboten. Doch es gibt Ausnahmen. Mehrere hundert Menschen kehrten zurück – in ein stilles, einsames Leben.

Die Natur in der Sperrzone von Tschernobyl leidet. Der dänische Evolutionsbiologe Anders Pape Møller erforscht dieses Drama seit 1993 am Beispiel der Rauchschwalben.

Fakten Tschernobyl

  • Am 25. April 1986 soll im Block 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl im Norden der Ukraine ein Spannungsregler getestet werden, der bei einer Schnellabschaltung bei gleichzeitigem Stromausfall die knappe Minute bis zum vollen Anlaufen der Notstromaggregate überbrückt. Dazu muss der Reaktor mit einer thermischen Leistung von 3200 Megawatt auf 1000 Megawatt heruntergefahren werden. Der Versuch wird während des Herunterfahrens wegen zusätzlicher Stromnachfrage unterbrochen und erst in der Nacht fortgesetzt. Die Sicherheitssysteme werden während des Probelaufs abgeschaltet. Dabei sinkt die Leistung unerwartet nicht auf 25, sondern auf 1 Prozent. Der Reaktor muss wieder hochgefahren werden. Dabei gerät er außer Kontrolle. Die Leistung steigt binnen Sekundenbruchteilen; es kommt zu einer gewaltigen Knallgas-Explosion, die das Dach wegsprengt. Die Brennelemente schmelzen, der als Moderator verwendete Graphit gerät bei Temperaturen von über 2000 Grad in Brand. Erst nach Wochen gelingt es, das Feuer zu löschen. Es kommt zur Freisetzung gewaltiger Mengen an Radionukliden. Als eigentliche Ursache gelten technische Mängel bei der Handhabung der Steuerstäbe, die unter bestimmten Voraussetzungen zu einem unkontrollierbaren Leistungsanstieg führen. Diese Mängel waren bekannt, war es doch schon 1983 in Litauen zu einem ähnlichen Fehler gekommen. Wären daraus die richtigen Lehren gezogen worden – Tschernobyl wäre nicht passiert.

Leben in der Sperrzone

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Kernschmelze

  • Kernschmelze

    Nach dem Abschalten eines atomaren Reaktors wird zwar die Kernspaltung unterbunden, aber der radioaktive Zerfall der bei der Kernspaltung entstandenen Spaltprodukte dauert an. Nach einer Stunde macht dies noch etwa ein Prozent der thermischen Leistung des Reaktors aus. Im Falle des Schweizer Atomkraftwerks Mühleberg sind das 36 Megawatt, und auch nach zehn Tagen hat die sogenannte Nachzerfallswärme noch eine Leistung von über 7 Megawatt. Das entspricht 3600 Heizlüftern mit einer Leistung von 2 Kilowatt – die in einem Raum von der Größe eines Schlafzimmers aufgestellt sind. Knapp zehn Tonnen Wasser verdampfen bei dieser Leistung – pro Stunde. Dieses Kühlmittel muss deshalb auch nach dem Abschalten noch für längere Zeit kontinuierlich dem Reaktorkern zugeführt werden. Wird diese Kühlung unterbrochen, droht die Kernschmelze. Ist sämtliches Kühlwasser verdampft, beginnen sich die Brennelemente sehr schnell aufzuheizen. Nach einigen Stunden schmilzt der Brennstoff, der Reaktorkern ist zerstört. Dabei kann hochradioaktives Material entweichen und Mensch und Umwelt gefährden. Ein solcher Unfall wird als Super-GAU bezeichnet.

Hintergrundbild_Tschernobyl

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