In der Schweizer Uhrenindustrie gab es lange Zeit keinen Strahlenschutz. Über die gesundheitlichen Folgen ist bis heute nur wenig bekannt. Auch nach der Sanierung der kontaminierten Liegenschaften in der Westschweiz bleibt ein Gefährdungspotential. 

Die Forschungen zur Verwendung von Radiumleuchtfarben in der Schweizer   Uhrenindustrie haben neue Erkenntnisse zutage gebracht. Der Historiker Lukas Emmenegger von der Universität Bern spricht in seiner Masterarbeit von einer verzögerten Reaktion der Behörden zu Lasten der betroffenen ArbeitnehmerInnen.

Nicht nur hohe, auch niedrige Dosen ionisierender Strahlung können tödlich sein. Dies zeigt ein Vergleich neuer medizinischer Forschungen durch den Schweizer Onkologen Dr. med. Claudio Knüsli. Er mahnt zur Vorsicht und fordert eine Revision der geltenden internationalen Strahlenschutzwerte.

Im ersten Teil unserer Serie „Frei messen – ja oder nein?“ berichteten wir über die Haltung der deutsche Ärzteschaft hinsichtlich der Risiken des AKW-Rückbaus. Wie gefährlich ist die ionisierende Strahlung wirklich und was sagt der Richtwert aus?

Die Freigabe strahlenden Materials aus AKW-Rückbauten ist umstritten. Unsere mehrteilige Serie „Frei messen – ja oder nein?“ stellt in den nächsten Wochen die wissenschaftlichen Sichtweisen vor, erörtert den geltenden Richtwert und die Fragen des Rückbaus.

Tausende Zifferblattmalerinnen brachten in den 1920er-Jahren Uhrenzifferblätter nachts zum Leuchten – mit der radioaktiven Leuchtfarbe Undark. Sie zahlten mit ihrer Gesundheit.

Die heute geltenden Grenzwerte im Strahlenschutz basieren auf Langzeitstudien an den Opfern der Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki. Sie definieren nicht mehr als das als tolerabel erachtete Restrisiko.

Radium Girls

  • Radium Girls: Eine Videocollage der the Designerin Rose Todaro www.rosetodaro.com

Linear-No-Treshold-Model (LNT)

  • Das Linear-No-Threshold-Modell

    Aufgrund der im Labor bestätigten Erkenntnis, dass es grundsätzlich keine noch so niedrige Strahlendosis gibt, die als unschädlich bezeichnet werden kann, geht man davon aus, dass es, mit null beginnend, einen linearen Zusammenhang zwischen Strahlendosis und Krebsrisiko gibt: Je höher die Dosis, desto höher das Risiko. Die heute geltenden Grenzwerte fußen auf dem LNT-Modell.

Alpha-, Beta- und Gammastrahlung

  • Alpha-, Beta- und Gammastrahlung

    Alphastrahlung
    Alphastrahlung ist eine ionisierende Strahlung. Die Reichweite beträgt in der Luft nur zehn Zentimeter, schon ein Blatt Papier reicht als Abschirmung. Gelangen Radionuklide , die Alphastrahlung emittieren (d. h. in die Luft ablassen), etwa durch Nahrung oder die Atemwege in den Körper, sind sie ungleich gefährlicher. Typische Alphastrahler sind Uran und Thorium sowie deren Zerfallsprodukte Radium und Radon. Ein Beispiel ist Radium-226 .

    Betastrahlung
    Betastrahlung ist eine Teilchen-Strahlung mittlerer Intensität. Die Reichweite beträgt je nach Radionuklid in der Luft bis zu acht Metern, zur Abschirmung genügen in der Regel einige Millimeter Aluminiumblech oder Beton. Typische Betastrahler sind Iod-131 und Strontium-90, die beide bei atomaren Unfällen freigesetzt werden. Betastrahlung kann die Haut durchdringen. Im Körper reichert sich Iod-131 in der Schilddrüse an, Strontium-90 wird in die Knochen eingebaut. Beides kann zu schweren Krebserkrankungen führen.

    Gammastrahlung
    Gammastrahlung ist eine dem sichtbaren oder ultravioletten Licht vergleichbare, aber wesentlich energiereichere elektromagnetische Strahlung. Sie entsteht etwa nach einem Alpha- oder Betazerfall eines Teilchens, wenn noch ein Überschuss an Energie vorhanden ist. Die Reichweite von Gammastrahlung beträgt in der Luft mehrere hundert Meter. Sie durchdringt auch den menschlichen Körper. Zur Abschirmung ist dicker Beton oder Wasser nötig.