Bo Qiang Lin, Ökonom, China

„Haben wir eine Alternative?“

Der Ökonom Bo Qiang Lin ist Direktor des China Center for Energy Economic Research an der Universität Xiamen und Vizepräsident der Chinesischen Gesellschaft für Energie. Als Mitglied der Nationalen Komitees für Energiefragen berät er die chinesische Energiekommission.

»China hat sich sehr hohe Ziele gesetzt, um den Energiekonsum und den CO2-Ausstoß zu senken. Ich weiß, diese Ziele sind sehr hoch gesteckt. Aber haben wir eine Alternative? Der Smog hat heute fast überall in China gravierende bis katastrophale Ausmaße angenommen. Die Menschen leiden, und sie verlangen zu Recht, dass endlich etwas geschieht. Dafür müssen wir vor allem von der Kohle wegkommen. Erstmals gelten in Chinas Umweltpolitik nicht mehr relative, sondern absolute Reduktionsziele. Wirtschaftswachstum und CO2-Ausstoß werden entkoppelt. Wir möchten den Energiebedarf jährlich um ein Prozent verringern. Das stellt uns vor gewaltige Herausforderungen. Denn wir dürfen nicht vergessen: China ist nach wie vor ein Entwicklungsland, der Nachholbedarf gegenüber den entwickelten Industriestaaten ist immens. Aber ich bin überzeugt, dass diese Ziele erreicht werden können. Wenn wir es schaffen, die Energieeffizienz erheblich zu verbessern und die erneuerbaren Ressourcen Wasser, Wind und Sonne zu verwenden, kommen wir schon sehr weit. Aber das genügt nicht. Wir brauchen dafür auch zwingend die Atomenergie. Das sieht auch die Öffentlichkeit so. Kernenergie ist in China akzeptiert. China plant, bis 2020 im Schnitt jährlich bis zu zehn Atomkraftwerke zu bauen. Dann werden wir eine Kapazität von 50 Gigawatt haben. China hat technologisch aufgeholt, der erste funktionierende Reaktor der dritten Generation macht uns zu Pionieren der neuen Kraftwerksgeneration. Ich mache mir auch keine Sorgen, dass wir für einen so raschen Ausbau nicht genügend Fachkräfte haben. Die Fukushima-Katastrophe hat auch unsere Verantwortlichen sehr nachdenklich gemacht; die nukleare Sicherheit genießt deshalb höchste Priorität.«

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