Energie dank Meer und Mond

Gezeiten und Wellen bergen ein enormes Energiepotential. Obwohl bereits in den 1960er Jahren bei Saint Malo weltweit das erste Gezeitenkraftwerk in Betrieb genommen wurde, blieb die Technologie in den Kinderschuhen. Vielmehr steckte man aus militärischen Gründen hunderte von Milliarden Dollars in die Atomenergie. Zum Beispiel in die nicht weit entfernte Wiederaufbereitungsanlage La Hague. Teil eins zum Thema das Meer und die Energie.

 

Bereits im 11. Jahrhundert nutzten findige Tüftler systematisch die Kraft der Tide, die sonst an der Kanalküste von Frankreich und England vor allem dafür genutzt wurde, die Boote wieder zu heben und fahrbar zu machen, die während der Ebbe traurig auf dem Trockenen lagen. Noch heute kann man dort an einigen Küstenabschnitten Gezeitenmühlen aus früheren Jahrhunderten sehen. Und schon 1897 wurde in Frankreich erstmals elektrischer Strom mit Hilfe von Generatoren gewonnen, die durch Ebbe und Flut angetrieben wurden. 1933 präsentierte der amerikanische Ingenieur Olus Stewart die Pläne für eine Versuchsanlage an der Atlantikküste, die „mit Hilfe eingefangener Brandungswellen elektrischen Strom fast ohne Kosten“ erzeugen sollte.


Zu grosse Eingriffe für die Umwelt


Doch das erste und für lange Zeit grösste Gezeitenkraftwerk entstand 1961 an der Atlantikküste in der Mündung der Rance im Norden Frankreichs, wo auch der berühmten Pilgerort Saint Malo liegt. Es wurde 1966 eröffnet. Der Tidenhub beträgt in der Bucht bei St. Malo normal 12, manchmal auch 16 Meter. Der Betondamm ist 750 m lang, wodurch ein Staubecken mit einer Oberfläche von 22 km² und einem Nutzinhalt von 184 Mio. Kubikmeter Wasser entsteht. Der Damm besitzt 24 Durchlässe, in denen jeweils eine Turbine mit einer Nennleistung von 10 MW installiert ist. Die gesamte Anlage hat eine Leistung von 240 MW und liefert jährlich rund 600 GWh an elektrischer Energie, was nicht ganz an die Leistung eines älteren Kernkraftwerkes herankommt, aber auch nicht weit davon entfernt ist. Zudem wird die Usine marémotrice de la Rance auch als Pumpspeicherkraftwerk genutzt. Seit Kohle, Öl und Uran nicht mehr bevorzugte Energieträger sind, wird die Forschung bezüglich Meer und Kraft des Mondes als nutzbare Energiedienstleister intensiviert. Laut einer EU-Studie könnten mit Gezeitenkraftwerken in Europa 12‘500 Megawatt Strom erzeugt werden, was der Leistung von einem Dutzend moderner Atomkraftwerke entspricht. Weltweit liegt das Potential gar bei hundert Gigawatt. Der Vorteil bei dieser Energienutzung: Dank der Kraft des Mondes ist die produzierbare Energiemenge konstant und berechenbar und deshalb als Bandenergie nutzbar. Denn Gezeiten gibt es immer. Egal wie das Wetter gerade ist. Nur beim Höchst und Tiefststand der Tide ist für kurze Zeit keine Energie verfügbar. Bisher funktioniert das Kraftwerk in Rance und auch beim seit seinem Bau 2011 weltweit grössten Tide-Kraftwerk Zhejiang als Dammkonstruktion. Kritiker halten dies für einen zu grossen Eingriff in die Umwelt. Dabei nutzen sie den Hub, also das Höhengefälle, das sich zwischen Ebbe und Flut einstellt, was – wie erwähnt – im Falle von Saint Malo zwischen 14 und 16 Meter beträgt. Einer der Gründe, warum der Durchbruch für Gezeitenkraftwerke noch nicht so richtig gelungen ist, ist die Skalierung. Damit sie wirtschaftlich betrieben werden können, müssen sie im grossen Massstab gebaut werden. Doch das erhört die Baukosten, die Risiken, erschwert eine Umweltprüfung und weckt Widerstand. Dennoch ist am Atlantik, in Portugal, im Norden Spaniens, an der Westküste von Frankreich, sowie in England und Irland das Potential für diese Technologie gross. Hingegen in Ländern wie Deutschland, Italien, Kroatien und Griechenland kommt sie nicht in Frage. Im Mittelmeer ist der Unterschied zwischen Ebbe und Flut einfach zu klein.

aus aller Welt

Katanga Business

  • Mit seinem Film „Katanga Business“ von 2009 vermittelt der belgische Regisseur Thierry Michel nicht nur einen Einblick in die gegenwärtige Situation der Rohstoffförderung in Katanga, sondern verdeutlicht auch die eigentlichen Aufgaben eines Dokumentarfilmers – Dokumentieren statt Kommentieren.

Eine initiative des

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