IEA: "Keiner darf zurückbleiben bei der Energiewende"

Die Entwicklungsländer holen auf: Verkauf von Solaranlagen in Ouagadougou, Burkina Faso (Bild: Wegmann) Die Entwicklungsländer holen auf: Verkauf von Solaranlagen in Ouagadougou, Burkina Faso (Bild: Wegmann)

Die Covid 19 – Pandemie hat die Energie-Nachfrage weltweit einbrechen lassen. Die Internationale Energie – Agentur rechnet in ihrem «World Energy Outlook» mit einem Rückgang von fünf Prozent. Das ändert aber nichts daran, dass es noch gewaltiger Anstrengungen bedarf, um für das Jahr 2050 die Klima-Neutralität zu schaffen. Die Atomkraft soll nach den Vorstellungen der IEA mit einer Produktions-Verdoppelung ihren Beitrag leisten. Doch der ganz grosse Treiber wird die Photovoltaik sein.


Fünf Prozent weniger Energieverbrauch, um sieben Prozent gesunkene CO2-Emissionen und um 18 geringeren Investitionen im Energiesektor: Das sind die Prognosen der Internationalen Energie-Agentur für das COVID 19 – Jahr 2020. Die 2,4 Gigatonnen Kohlendioxid, die in diesem Jahr weniger in die Atmosphäre gepustet werden, lassen die Gesamt-Emissionen auf das Niveau von 2010 fallen. Niemand kann sich darüber freuen. Der soziale Preis vor allem in den unterentwickelten Ländern ist viel zu hoch. So dürfte sich die Zahl der akut unter Hunger leidenden Menschen nach Angaben des Welternährungsprogrammes bis Ende Jahr auf 265 Millionen nahezu verdoppeln. Aus Sicht des Energy-Think-Tanks IEA wird 2020 auch die Zahl der Menschen, die ohne Elektrizität auskommen müssen, ansteigen, etwa in der Sahelzone, wo 2019 580 Millionen ohne Strom lebten. Die IEA rechnet zudem mit mindestens 100 Millionen, die, weil sie ihre Stromrechnungen nicht mehr bezahlen können, vom Netz getrennt werden.

Corona hilft nicht viel
Niemand kann zum heutigen Zeitpunkt ernsthaft eine Vorhersage wagen, wie sich die Pandemie weiter entwickeln wird – und damit auch der Energieverbrauch der Welt. Die IEA-Expertinnen und Experten versuchen es trotzdem und rechnen zwei Szenarien durch, das eine, wohl eher optimistische mit einer raschen Erholung für das Jahr 2021, das andere mit einer Verspätung von zwei weiteren Jahren. In beide Prognosen eingepreist sind die politischen Vorgaben zur Reduktionen der Treibhausgas-Emissionen, wie sie für das Jahr 2019 vorgesehen waren. Dabei zeigt sich, dass in beiden Fällen die Corona-Pandemie zwar eine Verlangsamung bewirkt, beim pessimistischeren Szenario gar verbunden mit dem niedrigsten Wachstum der Energienachfrage seit den von der Weltwirtschaftskrise geprägten 1930er-Jahren, dass dies aber bei weitem nicht ausreicht, um auch nur halbwegs auf einen Kurs einzuschwenken, wie er in den Pariser Verträgen mit einer maximalen Erwärmung von 1,5 Grad vorgesehen ist. Die IEA rechnet eindrücklich vor, dass bei einer Fortsetzung des Status Quo mit der heutigen Infrastruktur in den nächsten 30 Jahren mit einer zusätzlichen Erwärmung von 1,65 Grad zu rechnen wäre – notabene ohne zusätzliche Emissionen, wie sie angesichts des Energiehungers von Schwellen- und Entwicklungsländern zweifellos zu erwarten wären. Aktuell hat sich die Erde bereits um knapp 1,1 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit erwärmt.

Alle sind gefordert
Die Internationale Energie – Agentur hat schon im Sommer zusammen mit den Internationalen Währungsfonds ein Szenario entwickelt, das eine Senkung der Treibhausgas-Emissionen auf Null bis 2050 möglich machen könnte. Dieses «nachhaltige Entwicklung – Szenario» (SDS) bedingt für die Jahre 2021 bis 2023 jährliche Investitionen von weltweit einer Billion US-Dollar. Das entspricht etwa dem Bruttoinland-Produkt Indonesiens. Damit soll eine Initialzündung ausgelöst werden, die das Jahr 2019 zum Jahr des Peaks machen könnte, dem Jahr mit den höchsten Treibhausgas-Emissionen der Geschichte. «Die Pandemie und deren Folgen senken die Emissionen, aber das verlangsamte ökonomische Wachstum macht noch keine Strategie für eine Trendwende. Das einzige Mittel heisst Beschleunigung des Strukturwandels». Und dieser Strukturwandel muss gewaltig sein, und er muss weit über den Energiesektor hinaus geschehen. Nur schon um die Emissionen bis 2030 um 40 Prozent zu senken, müsste bis dahin die Häflte der weltweiten Fahrzeugflotte elektrisch betrieben werden (Anteil 2019: 2,5 %). Dazu müssten binnen eines Jahrzehnts 75 Prozent des Stromes aus nachhaltigen Ressourcen generiert werden. Heute liegt dieser Anteil bei unter 40 Prozent. «Elektrifizierung, massive Effienzgewinne und Verhaltensänderungen, dazu stark beschleunigte Innovationen von grünem Wasserstroff bis zu kleinen Nuklear-Reaktoren: Es brauche alle Beteiligten der Energiewirtschaft, um nur schon dieses Ziel im Auge zu behalten. Dann sei auch eine emissionsfreie Welt für das Jahr 2050 denkbar.
Der Haupttreiber für die Energiezukunft wird laut IAE aber die Photovoltaik sein. Schon heute sind Sonnenkraftwerke in den meisten Ländern günstiger als mit Kohle oder Gas betriebene Kraftwerke (und, was die IAE nicht erwähnt, auch wesentlich günstiger als neu gebaute AKW’s). Und es bestehe kein Zweifel, dass Photovoltaik und Wind den Hauptanteil an der Energiewende leisten werden. Im nachhaltigen Szenario soll damit mehr als eine Halbierung des Kohlenanteils an der Stromproduktion (von 37 auf 15 Prozent) bis 2030 möglich sein. Riesige Investitionen in die Stromnetze werden nötig sein, um diese «neue» Elektrizität auch zu verteilen. Die IEA rechnet mit um 80 Prozent höheren Investitionen als in der letzten Dekade. Es gibt also viel zu tun. Sehr viel.

 

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