Atomkraft durch die Hintertür

Inwieweit soll die Atomenergie, wenn überhaupt, zum Erreichen der Klimaneutralität berücksichtigt werden? Darüber gehen die Meinungen in der Europäischen Union weit auseinander. Nun stehen in Brüssel die Verhandlungen zum Klimapaket ins Haus. Das Europäische Parlament hat mit der Verschärfung der Klimaziele ein Zeichen gesetzt. Um 60 Prozent sollen die CO2-Emissionen bis 2030 gegenüber dem Referenzjahr 1990 sinken. Das ist deutlich höher gesteckt als bei der Europäischen Kommission, die von 55 Prozent spricht und dabei auch noch die Klimasenken, namentlich Wälder, in die Berechnungen mit einbeziehen will. So oder so bedarf es gewaltiger Anstrengungen, um auf diesen Kurs einzuschwenken. Viel ist derzeit von Wasserstoff die Rede, der vor allem der energiehungrigen Industrie über die Runden helfen soll. Die Herstellung ist aufwendig und braucht viel Strom. Woher dieser kommen soll, darüber wird nun gestritten. Einige osteuropäische Staaten, namentlich Bulgarien, Ungarn, die Slowakei und Tschechien, bringen die Atomenergie wieder aufs politische Parkett, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Aus naheliegenden Gründen: Diese Staaten forcieren die Atomkraft. AKW’s liefern in Ungarn knapp einen Viertel des Stroms, erneuerbare Energien liegen bei einem Fünftel. In Tschechien ist jede dritte Kilowattstunde nuklear erzeugt, in der Slowakei liegt der atomare Anteil bei 27 Prozent. Ungarn plant zwei neue Reaktoren, in Tschechien produziert das AKW Temelin seit 2003. In der Slowakei sollen demnächst zwei Reaktoren ihren Betrieb aufnehmen. Zwar steht es den EU-Mitgliedern frei, wie sie die Klimaziele erreichen wollen, denen sie im Rahmen der EU-Klimapaktes zugestimmt haben. Doch ganz ohne Brisanz ist das nicht. So findet sich in einem Entwurf zu «low – carbon» - Technologien neu ein Passus, nach dem «insbesondere» erneuerbare Energien zur Wasserstroff-Produktion genutzt werden sollen. Damit, so die Süddeutsche, ist die Tür zur Atomenergie wieder einen Spalt breit geöffnet worden.

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