Atommüll im nicht mehr ewigen Eis

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Der Klimawandel droht in Grönland Sünden des Kalten Krieges an die Oberfläche zu bringen. In den 1950er und 1960er Jahren planten die US-Streitkräfte ein gigantisches System von Abschussrampen für Atombomben bestückte Interkontinentalraketen.

640px Thule Air Base aerial view groenland

Die Thule Air Base der amerikanischen Streitkräfte hatte eine grosse strategische Bedeutung. Bild: Lee E. Schading / U.S. Air Force, gemeinfrei.

 

Ein Umweltskandal des Kalten Krieges kommt ans Tageslicht, berichtete vergangen Herbst der Deutsche Radiosender SWR2 in seiner Sendung „Wissen“. Dänische Zeitzeugen berichten, welch grosses Geheimnis die US-Steitkräfte um ihre Basis gemacht haben, die sie Ende der fünfziger Jahre tief unter grönländischem Eis bauten. Kein Wunder: Eigentlich handelte es sich offiziell um eine Forschungsstation, aber es ging um viel gravierendere Dinge. Weil Grönland damals eine dänische Kolonie war, interessierte sich auch Kopenhagen für die Vorgänge im Camp Century tief unter dem Eis. Die Dänen schickten deshalb den Kontaktmann Erik Jörgen-Jensen nach Grönland, den die Amerikaner notgedrungen akzeptieren mussten. Jörgen-Jensen erinnerte sich, wie die Amerikaner ihn zwar nicht ignorieren konnten, er sich aber auch mit Bedacht vorging. Vorsichtig erkundete er die Basis. Grönland war für die Amerikaner schon immer interessant und es war nicht Donald Trumps Erfindung, das Land zu kaufen. Schon 1951 lehnte Dänemark den Vorschlag ab, das Land für 100 Millionen Dollar zu kaufen. Es kam aber nie zu einem Zerwürfnis, da sowohl die USA wie auch Dänemark zur Nato gehören. Deshalb erlaubte Dänemark, beziehungsweise Ministerpräsident Hans Christian Hansen den USA, Atomwaffen auf der Thule Air Base zu stationieren. Dies ist die nördlichsten amerikanischen Luftwaffenbasis, 1200 Kilometer nördlich des Polarkreises. Von der dänischen Regierung wussten nur wenige Mitglieder Bescheid, denn die atomare Aufrüstung war ein umstrittenes Thema.


Der „Iceworm“ bewegt sich tatsächlich


Erik Jörgen-Jensen kam 1960 auf die Thule Air Base und reiste ins Camp Century weiter, das eigentlich ausserhalb der von Dänemark zur Verfügung gestellten Gebiete lag. Es war eine funktionstüchtige Basis mit Kino, Kapelle, Fitness-Studio, Wahlmöglichkeiten für 200 Soldaten. Energie im Überfluss lieferte ein mobiler Atomreaktor. Aus der Luft war die Anlage kaum zu sehen und im Nachhinein hat Erik Jörgen-Jensen den Eindruck, dass die Amerikaner einiges vor ihm versteckten. Ein paar Kilometer nördlich des Camps entdeckte der Däne einen weiteren Tunnel mit verlegten Geleissträngen. Sie hatten ihn geheim gehalten. Auf die Frage, warum da Geleise seien, bekam er zur Antwort, niemand wisse so recht, weshalb. Obwohl die Dänen noch 1959 mit der Baugenehmigung für Camp Century zögerten hatten die Amerikaner mit dem Bau längst begonnen. Sie waren sich in dieser Zeit aus Lateinamerika einen solchen Umgang mit Freunden gewohnt. Die Dänen hatten nichts zu sagen, wollten aber wenigstens wissen, was läuft. Denn immerhin wurde ihnen heimlich der weltweit erste mobile Atomreaktor aufgezwungen und das im rauen Klima der Arktis. Zur Erinnerung: In Deutschland ging das erste Kraftwerk 1962 und in der Schweiz 1969 in Betrieb. In Dänemark wurden Anfang der 1960er Jahre breitere Kreise misstrauisch. Camp Century – ein Forschungslabor, wo 200 Menschen ganzjährig mit allen Schikanen unter dem Eis lebten? Die Dänen wurden misstrauisch, während die Amerikaner ungerührt ihr „Forschungslabor“ weiter ausrüsteten. Derweil funkte Erik Jörgen-Jensen seine Beobachtungen nach Dänemark. Er gab sich bei seiner Arbeit Mühe, liess zu keinem Zeitpunkt Rutine aufkommen, sodass die Amerikaner nie wussten, wo er auftauchen würde. Was Kopenhagen von ihm erfuhr, bereitete Kopfzerbrechen. Dass Camp Century entgegen den Verträgen vor allem militärischen Interessen diente, war längst klar. Was die Amerikaner wirklich planten wurde erst in den 1990er Jahren öffentlich. Offensichtlich hatte Erik Jörgen-Jensen einen kleinen Teil eines geplanten, gigantischen Tunnelsystems entdeckt, dass dereinst eine Gesamtlänge von 4000 Kilometern hätte haben sollen. Auf den Schienen hätte man 600 atomare Interkontinentalraketen hin und her bewegen und abfeuern können. Was wie ein Szenario aus einem James Bond Film klingt, nannten die Amerikaner „Project Iceworm“. Was die Amerikaner aber vorher nicht bedachten: Der „Worm“ bewegte sich tatsächlich. Die Dynamik des Eises und die Durchschnittstemperatur von Minus 24 Grad machte ihnen mehr zu schaffen als gedacht. Laut US-Logbüchern und Berichten hatte es beim Reaktor gleich zu Beginn eine Reihe von Pannen gegeben. Doch mit Geigerzähler ausgestattet konnte Erik Jörgen-Jensen in das Innere des Reaktors. Überein Internetforum für US-Veteranen fand der Radiojournalist des SWR den für den Reaktor zuständigen ehemaligen Hauptmann Leon E. McKinney ausfindig zu machen. Er berichtete, dass es in der Anfangsphase, bevor er gekommen sei, gravierende Sicherheitsprobleme gegeben habe und einige Leute waren sehr hoher Strahlung ausgesetzt. Der für den Reaktor zuständige Captain, mit dem sich Jörgen-Jensen anfreundete musste irgendwann nach Hause gehen, um zu sterben. Das Ende von Camp Century ist letztlich dem sich stark bewegenden Eis geschuldet. Als die Amerikaner die Basis 1967 aufgeben mussten hinterliessen sie Tausende Tonnen giftigen und radioaktiven Materials. Es wird durch den Klimawandel in absehbarer Zeit an die Oberfläche gelangen. Seither ist ein hitziger Streit zwischen Grönland und Dänemark entbrannt. Dänemark hat es bisher nicht gewagt, die USA zur Beseitigung der Abfälle aufzufordern. Vorerst wird Dänemark 24 Millionen Euro bezahlen um radioaktiv belastetes, gefrorenes Wasser, Müll, Schrott 200‘000 Tonnen Liter Dieselöl und krebserregende Chlorverbindungen und vieles mehr zu beseitigen. Doch niemand weiss zum jetzigen Zeitpunkt, was noch alles zum Vorschein kommt.

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Vor dem Hintergrund der aktuellen „Energiewende“-Debatten möchten wir einen kritischen Diskussionsbeitrag leisten für all jene, die mehr wissen wollen zum Thema Energie. Und wir möchten einen Beitrag leisten, die tiefen ideologischen Gräben zu überwinden, die Befürworter und Gegner trennen. Denn die Wahrheit wird bei diesem Thema sehr schnell relativ bzw. relativiert, man bewegt sich auf einem Feld, in dem sich Experten, Meinungsmacherinnern, Ideologen, Betroffene, Opfer, Lobbyisten, Politikerinnen und Weltenretter tummeln. Sie alle sollen zu Wort kommen, sie sollen von ihrer Wahrheit erzählen, der Wahrheit des Strahlenopfers ebenso wie jener des Kraftwerkbetreibers, des Befürworters und der Gegnerin.

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    Aufgrund der im Labor bestätigten Erkenntnis, dass es grundsätzlich keine noch so niedrige Strahlendosis gibt, die als unschädlich bezeichnet werden kann, geht man davon aus, dass es, mit null beginnend, einen linearen Zusammenhang zwischen Strahlendosis und Krebsrisiko gibt: Je höher die Dosis, desto höher das Risiko. Die heute geltenden Grenzwerte fußen auf dem LNT-Modell.

Alpha-, Beta- und Gammastrahlung

  • Alpha-, Beta- und Gammastrahlung

    Alphastrahlung
    Alphastrahlung ist eine ionisierende Strahlung. Die Reichweite beträgt in der Luft nur zehn Zentimeter, schon ein Blatt Papier reicht als Abschirmung. Gelangen Radionuklide , die Alphastrahlung emittieren (d. h. in die Luft ablassen), etwa durch Nahrung oder die Atemwege in den Körper, sind sie ungleich gefährlicher. Typische Alphastrahler sind Uran und Thorium sowie deren Zerfallsprodukte Radium und Radon. Ein Beispiel ist Radium-226 .

    Betastrahlung
    Betastrahlung ist eine Teilchen-Strahlung mittlerer Intensität. Die Reichweite beträgt je nach Radionuklid in der Luft bis zu acht Metern, zur Abschirmung genügen in der Regel einige Millimeter Aluminiumblech oder Beton. Typische Betastrahler sind Iod-131 und Strontium-90, die beide bei atomaren Unfällen freigesetzt werden. Betastrahlung kann die Haut durchdringen. Im Körper reichert sich Iod-131 in der Schilddrüse an, Strontium-90 wird in die Knochen eingebaut. Beides kann zu schweren Krebserkrankungen führen.

    Gammastrahlung
    Gammastrahlung ist eine dem sichtbaren oder ultravioletten Licht vergleichbare, aber wesentlich energiereichere elektromagnetische Strahlung. Sie entsteht etwa nach einem Alpha- oder Betazerfall eines Teilchens, wenn noch ein Überschuss an Energie vorhanden ist. Die Reichweite von Gammastrahlung beträgt in der Luft mehrere hundert Meter. Sie durchdringt auch den menschlichen Körper. Zur Abschirmung ist dicker Beton oder Wasser nötig.

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