Dramatische Gletscherschmelze in Hochasien

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Viele Gletscher Hochasiens schmelzen dahin, die Entwicklung scheint bereits heute unumkehrbar. Das zeigt eine Studie der Schweizer Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL.

Indus, Ganges, Brahmaputra, Yangtse, Mekong, Amu-Darya, Sir-Darya, Indus, Tarim: Das sind nur die wichtigsten Ströme, die sich alle aus den Gletschern Hochasiens speisen, in den Gebirgen Hamalya, Karakorum, Pamir und Tien-Shan. 250 Millionen Menschen hängen an diesem gigantischen Tropf. Doch der Klimawandel macht auch vor den grössten Gletschern der Welt ausserhalb der polaren Gebiete nicht Halt. In welchem Ausmass diese geschieht, liess sich bisher nur mit Modellen abbilden, die den geographischen Gegebenheiten, etwa die extrem steilen Stirnwände vieler Gletschern, nicht adäquat abbildeten. Ein Forschungsteam der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL hat dieses schiefe Bild nun auf Basis von neuen, besser auflösenden Satellitendaten die Entwicklung des Eises von mehr als 5000 Gletschern der Jahre 2000 bis 2016 dokumentiert. Dazu kommen direkte Messungen auf vielen Gletschern. Damit liessen sich sowohl Gletscherschmelze als auch der Zuwachs durch Schneefälle bestimmen – und damit die gesamte Entwicklung einschätzen.

Das Ergebnis ist ernüchternd: 70 Prozent der Gletscher schrumpfen, und die Mehrheit bildet nur noch auf kleinen Flächen neues Eis. Einzig die Gletscher im Karakorum im pakistanisch-indischen Grenzgebiet und im chinesischen Kunlun haben noch an Masse zulegen können. Das heisst: die winterlichen Schneefälle reichen bei der Mehrheit der Gletscher nicht mehr aus, den Eisverlust im Sommer zu kompensieren. Das heisst auch: Auf lange Sicht sind sie nicht überlebensfähig. Die Forscherinnen und Forscher haben auf Basis der Daten auch die Entwicklung bis ins Jahr 2100 berechnet – ohne die weitere Klimaerwärmung dabei zu berücksichtigen. Danach ist mit einem Eisverlust von rund einem Fünftel zu rechnen. Eingedenk der bislang kaum gebremsten Erderwärmung könnte es aber auch deutlich mehr sein.

Als kleinen Silberstreif am Horizont wertet Projektleiter Evan Miles, dass die nährenden Gletscher der Ströme Sir-Darya, Amu-Darya und Tarim, die neben der Trinkwasserversorgung von Millionen Menschen auch für den Baumwollanbau von existenzieller Bedeutung sind, bislang noch wachsen. Doch es zeichne sich bereits ab, dass der Schmelzprozess bereits in Gang kommt.

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