Sonnige Aussichten für Solarenergie

Blütezeit für Photovoltaik: Das Geschäftsklima ist äusserst positiv (Bild: pixabay) Blütezeit für Photovoltaik: Das Geschäftsklima ist äusserst positiv (Bild: pixabay)

Es geht voran mit dem deutschen Atomausstieg. Das Klimaschutzpaket gab grünes Licht für den Ausbau der Solarenergie. Doch schon stellen sich neue Hindernisse in den Weg. Teil 2 unseres dreiteiligen Dossiers zur deutschen Energiewende sieht politisch Nachholbedarf.  


Das Geschäftsklima in der Solarwirtschaft steht auf Allzeithoch, so die aktuelle Pressemeldung des Bundesverbands. Das noch junge Klimaschutzprogramm verleiht dem Geschäft mit der Sonne neuen Auftrieb. Tagsüber scheint sie auf die flachen Solarpaneele der Industriehallen, genau dann, wenn Unternehmen Strom benötigen. „Für Gewerbetreibe ist Photovoltaik der ideale Stromerzeuger“, so Bene Müller, Vorstand der Solarcomplex AG. Das im Jahr 2000 gegründete Unternehmen plant und baut Solaranlagen, Nahwärmenetze, sowie Wind- und Wasserkraftanlagen in der erweiterten Bodensee-Region. Über 1000 Photovoltaik-Dachanlagen wurden seit Gründung realisiert. Was viele nicht wissen: Auch für Eigenheimbesitzer kann eine Investitionen jetzt sinnvoll sein.

Chancen für private Solaranlagen
Die Batteriepreise für Kurzzeit-Speicher sinken tendenziell. Eine gar sprunghafte Nachfrage nach Batteriespeichern prognostiziert Geschäftsführer Müller, wenn ab übernächstem Jahr erste Solarstromanalgen aus der Förderung nach dem EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) fielen. „Bei Erzeugungskosten von Solarstrom vom eigenen Dach für unter 10 ct /kWh ergibt sich mit den Kosten für Ein- und Ausspeicherung ungefähr eine wirtschaftliche Parität zu Netzstrom“, sagt Bene Müller. Es liege also auch für private Betreiber nahe, ihren überschüssigen Strom zu speichern, beziehungsweise für den Antrieb eines E-Autos einzusetzen, oder für die hauseigene Heizung. „Das EEG hat seinen Zweck erfüllt, erneuerbare Energieformen marktreif zu machen, jetzt müssen sie angewendet werden“, meint er.  Gewerbedächer und öffentliche Dachflächen böten beispielsweise noch große Potentiale. „Es muss endlich ein Ruck durch die politische Landschaft gehen. Mit einem entsprechenden Gemeinderatsbeschluss werden genug Bürger auch auf „kommunalen Dächern“ in Erneuerbare investieren“, meint Müller zuversichtlich. 

In Richtung Autarkie
Für private Betreiber fehlt es noch flächendeckend an Aufklärung. So könnte das Modell vom Privatkraftwerk schon in naher Zukunft Gestalt annehmen. „Mit einer Photovoltaikanlage kann man sich bereits heute unabhängiger von steigenden Strompreisen machen, da man einen Teil seines Strombedarfs selbst deckt“, sagt Matthias Schlagenhauf, Energieberater bei der Energieagentur Zollernalb und der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Einschränkungen gibt es vor allem im Winter. Besonders wenn Schnee auf den Dächern liege, sei die Sonneneinstrahlung oftmals geringer als der Energiebedarf im Gebäude. Dann könne man auf den Batteriespeicher und das öffentliche Netz zurückgreifen. Der Energieberater hält es für realistisch, mehr als die Hälfte des Strombedarfs für den Hausgebrauch und den Betrieb des E-Autos durch die PV-Anlage mit Batteriespeicher zu decken. Zugrunde gelegt wird eine produzierte Leistung von 10.000 kWh bei einer Dachfläche von 50-70 m2, ein Strombedarf von 4000 kWh für den Haushaltsstrom und 2000 kWh für das E-Auto.  „Die Dimensionierung von privaten PV-Anlagen erfolgt anhand der zur Verfügung stehenden Dachflächen“, so Schlagenhauf. Die meisten privaten Anlagen werden derzeit mit einer so genannten 10 kW Peak-Leistung ausgeführt. Auch das Heizsystem könne so unterstützt werden, aber der erforderliche Energiebedarf und auch der Speicherbedarf im Gebäudebestand seien oftmals höher. Die Nachrüstung für Warmwasser ist denkbar einfach, indem man im bestehenden Warmwasserspeicher einen Heizstab einbaut. Für die Heizungsunterstützung braucht es, je nach System, einen Wasserspeicher als Puffer. Alternativ kann auch über den Betrieb einer Wärmepumpe nachgedacht werden, die den Photovoltaikstrom verwendet. Im Regelfall ist eine private PV-Anlage inzwischen eine wirtschaftlich wie ökologisch sinnvolle Maßnahme, die zurzeit sehr oft realisiert wird. „Ziel ist nicht die Abkopplung vom Netzstrom, die Speicher müssten sehr groß dimensioniert werden“, so der Energieberater. 

 

Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien zeigt zentrale Stellenwerte von PV- und Windanlagen (Bild: Umweltbundesamt)

Entwicklungsbedarf bei Langfristspeichern
In Zukunft braucht es wesentlich größere Speicher, wenn die Bundesregierung, laut Klimaschutzpaket, den Anteil der Erneuerbaren am Strombedarf auf 65 Prozent erhöhen will. „Es besteht noch erheblicher, technologischer Forschungsbedarf bei der Speicherung, um den Strombedarf auch in sonnenarmen Wintermonaten decken zu können“, sagt Müller von Solarcomplex. Die Power-to-Gas-Technologie hält er für zukunftsfähig, weil Gasspeicher in Deutschland bereits vorhanden sind. Beim genannten Verfahren wird aus elektrischem Strom ein Brenngas, z.B. Wasserstoff oder Methan hergestellt, das gespeichert und später verschieden eingesetzt werden kann; also etwa im Verkehrswesen, oder zur Rückverstromung in Gaskraftwerken. Ein Papier zu einer nationalen Wasserstoffstrategie ist von der Bundesregierung in Arbeit, heisst es vom Bundesverband für Erneuerbare Energien (BEE). Konkrete Zahlen zum geschätzten Bedarf liegen zurzeit von den deutschen Übertragungsnetzbetreibern zur Netzentwicklung vor. Sie erwarten bis 2035 eine installierte Leistung zwischen 3 und 6 Gigawatt jährlich und entwickeln dafür verschiedene Szenarien. Im ersten Schritt sei an die Bedarfsdeckung für die Industrie gedacht. Zurzeit sei es notwendiger, den Markteintritt zu gestalten - durch Installation der Technologie, um eine Kosten-Lern-Kurve zu erhalten. 

Kritik am Förderdeckel 
Derweil geht die Solarbranche durch ein Wechselbad der Gefühle. Durch den Ausbau von Photovoltaik-Anlagen und Speichern sollen rund 50.000 neue Arbeitsplätze entstehen, so die überschwenglichen Prognosen. Die im Klimapaket angekündigte Aufhebung des so genannten 52 GW-Förderdeckels sorgt für Euphorie. Der absehbare Wegfall beschleunige den Zubau schneller als vorteilhaft, und zu Lasten der Qualität, so die Kritiker. Der Förderdeckel war 2012 unter dem Eindruck eines starken Marktwachstums, hoher Systemkosten und einer über mehrere Jahre anhaltenden Überförderung eingeführt worden. Die Einführung hatte der Branche seinerzeit fast das Genick gebrochen. Und so schnell wird der Deckel als Regelungsinstrument nicht verschwinden. Mit der aktuellen Aufhebung wurden eine monatliche Basisdegression sowie gegebenenfalls weitere Absenkungen in Abhängigkeit vom vergangenen Zubau, ein so genannter „atmender Deckel“ eingeführt. Noch ist dieser Beschluss gesetzlich nicht verankert. Aber für den weiteren Ausbau der Solarenergie in Deutschland sei davon auszugehen, dass die derzeitige Einspeisevergütung von circa 10 ct/kWh bei Dachanlagen bis 10 kWp Leistung in Verbindung mit dem atmenden Deckel als Fördermechanismus in der heutigen Form bestehen bleibe, heisst es aus der Pressestelle des Umweltbundesamts. Die Vergütung für Photovoltaik-Anlagen bis 750 Kilowatt, die nun weiterläuft, ist an die Zubauraten gekoppelt. Dadurch fällt sie auch ohne Deckel in absehbarer Zeit auf Strommarktniveau. Die Regelung sei nur eine weitere, harte und riskante Belastungsprobe für die Branche, so die Kritiker. Für den Ausbau der beiden tragenden Säulen der Energiewende, Wind und Sonne, brauche es Planungssicherheit. Die Windkraftbranche an Land droht durch fehlende politische Rückendeckung derzeit der Niedergang.  Mehr im 1.Tell unseres Dossiers zum Thema Windkraftanlagen Die politischen Beschlüsse zum Thema Energiewende sorgten mehr für Verwirrung als für Sicherheit. 

 

Euphorie herrscht in der Solarbranche, doch das nächste Zittern droht (Bild: Bundesverband Solarwirtschaft)

 

Drastischer Ausbau wäre nötig
Unklarheit herrscht auch beim Ausbaupfad: Im Klimaschutzprogramm 2030  der Bundesregierung wird eine installierte Photovoltaikleistung von 98 GW/Jahr in 2030 angestrebt. Um dies zu erreichen, müsste der Ausbaupfad der Photovoltaik von derzeit 2,5 GW/Jahr in etwa verdoppelt werden, heisst es von der Pressestelle des Umweltbundesamtes. Dieser Wert ist gegenwärtig noch nicht im EEG festgelegt. „Gerade weil es keinen Mengenkorridor vorgebe zur Erreichung des Klimaziels schade das aktuelle Klimapaket, meint Bene Müller von Solarcomplex. „Der inzwischen nachgebesserte Einstiegspreis von 25 Euro je Tonne CO2 ist zwar immer noch sehr niedrig, wird aber die Menschen für unsere Nahwärmeprojekte sensibilisieren“. Die Preise für Verkehr und Heizen werden durch den Emissionshandel künftig steigen. Was den Verbraucher wachrüttelt, gleicht gesamthaft betrachtet aber einem Tropfen auf den heißen Stein. „Nimmt man das aktuelle Ausbautempo und die aktuellen politischen Rahmenbedingungen, so werden die Ziele auf der Zeitachse mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht erreicht“, meint der Solarcomplex Geschäftsführer.

 

 

Links:

Bundesverband Solarwirtschaft, Geschäftsklima durch Ausbau von Solarstrom

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWI)Stellenwert der Sonnenenergie in Zahlen

Umweltbundesamt, Erneuerbare Energien in Zahlen

Solarserver, Keine Dunkelflauten mit Solar- und Windstrom

Bundesverband Erneuerbare Energien

Solarcomplex, Sonne, Wind, Wärme

Energieagentur Zollernalb

 

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