Fukushima: Gigantischer Eismantel gegen verstrahltes Wasser nahezu fertig

geschrieben von  Manuela Ziegler

Der letzte Abschnitt der Grundwassersperre ist in Bau. Bereits im Frühjahr 2016 war Baubeginn des kostspieligen Mammutprojekts, das sich auf etwas mehr als 300 Mio Franken beläuft – ohne die laufenden Betriebskosten.


Die japanische Betreiberfirma Tepco begann am 22. August 2017, die letzten sieben Metern der Barriere fertig zu stellen. Diese ist insgesamt etwa 1,5 Kilometer lang und umfasst 70.000 m3 Landmasse, und umschliesst quasi die Reaktorblöcke eins bis vier. Sie soll verhindern, dass Grundwasser mit radioaktiv verschmutztem Wasser in Berührung kommt. Um das Erdreich einzufrieren, werden Rohre senkrecht im Abstand von einem Meter eingetieft, und mit Kühlmittel gespült. Stickstoff kommt zum Einsatz, der sich bei minus 80 ° Celsius verflüssigt. Dauerhafte Kühlung führt zur Verfestigung und nach ein, zwei Jahren zu einer stabilen Eisschicht, die keine Flüssigkeit mehr durchlässt. Die Mauer reicht rund 30 Meter in den Untergrund. Die Arbeiten sollen im Frühherbst abgeschlossen sein. Kritiker befürchten, Grundwasser könnte die Mauer dennoch umspülen. Diese muss voraussichtlich jahrzehntelang gekühlt werden, weil das anstehende Wasser sie aufzuweichen droht. Die geschmolzenen Reaktorkerne müssen noch über Jahrzehnte gekühlt werden, um die Temperatur unter Kontrolle zu halten.

Links:

https://www.japantimes.co.jp/news/2017/08/22/national/tepco-begins-extending-ice-wall-reduce-tainted-water-fukushima-plant/#.WakumxTAr_U
https://mainichi.jp/english/articles/20170816/p2a/00m/0na/016000c
http://www.digitaljournal.com/news/environment/tepco-plan-to-build-ice-wall-questioned-by-nuclear-authorities/article/382844


Fakten Fukushima

  • Nach einem der stärksten Seebeben der jüngeren Geschichte trifft am 11. März 2011 eine 15 Meter hohe Flutwelle das am östlichen Meeresufer Japans gelegene Atomkraftwerk Fukushima Daiichi mit sechs Reaktorblöcken. Die Blöcke 4 bis 6 sind wegen Wartungsarbeiten außer Betrieb, die Blöcke 1 bis 3 waren sofort nach dem Beben ordnungsgemäß abgeschaltet worden; die Anlage läuft wegen Totalausfalls der Stromversorgung mit Notstrombetrieb zur Kühlung der Nachzerfallswärme. Die Flutwelle zerstört 12 der 13 Generatoren und die Wärmetauscher, die Notbatterien liefern nur noch für wenige Stunden Strom. In der Folge kommt es trotz verzweifelter Bemühungen des Bedienungspersonals in allen drei Reaktoren zu Kernschmelzen und teilweiser Zerstörung der Betriebsgebäude durch Wasserstoffexplosionen. Auch das Gebäude im Block 4 wird durch eine Explosion schwer beschädigt, nachdem es nicht mehr gelingt, das Abklingbecken zu kühlen. Noch Schlimmeres verhindert der entgegen den Anweisungen der Zentrale gefällte Entscheid des leitenden Ingenieurs, mit Meerwasser zu kühlen, was eine Wiederinbetriebnahme der Anlage ausschließt. 150 000 Menschen werden evakuiert. Erst mit einiger Verzögerung wird der Unfall mit der höchsten INES-Stufe sieben (katastrophaler Unfall) eingestuft. Als eigentliche Ursache der Katastrophe gilt die mangelnde Katastrophenvorsorge. So war die Anlage nur gegen maximal fünf Meter hohe Flutwellen geschützt, und die zur Notstromversorgung elementaren Generatoren und Batterien befanden sich teilweise in den zuerst gefluteten Kellerräumen der Anlage. Diese Mängel waren den teils personell eng verbandelten Behörden und der Betreiberfirma Tepco bekannt. Dennoch war die Betriebsbewilligung der eigentlich stillzulegenden ältesten zwei Blöcke aus den Jahren 1970 und 1973 noch kurz vor der Katastrophe verlängert worden.

Ein Fischer überlebt den Tsunami, weil er aufs Meer fährt - und kehrt in eine zerstörte Stadt zurück

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Kernschmelze

  • Kernschmelze

    Nach dem Abschalten eines atomaren Reaktors wird zwar die Kernspaltung unterbunden, aber der radioaktive Zerfall der bei der Kernspaltung entstandenen Spaltprodukte dauert an. Nach einer Stunde macht dies noch etwa ein Prozent der thermischen Leistung des Reaktors aus. Im Falle des Schweizer Atomkraftwerks Mühleberg sind das 36 Megawatt, und auch nach zehn Tagen hat die sogenannte Nachzerfallswärme noch eine Leistung von über 7 Megawatt. Das entspricht 3600 Heizlüftern mit einer Leistung von 2 Kilowatt – die in einem Raum von der Größe eines Schlafzimmers aufgestellt sind. Knapp zehn Tonnen Wasser verdampfen bei dieser Leistung – pro Stunde. Dieses Kühlmittel muss deshalb auch nach dem Abschalten noch für längere Zeit kontinuierlich dem Reaktorkern zugeführt werden. Wird diese Kühlung unterbrochen, droht die Kernschmelze. Ist sämtliches Kühlwasser verdampft, beginnen sich die Brennelemente sehr schnell aufzuheizen. Nach einigen Stunden schmilzt der Brennstoff, der Reaktorkern ist zerstört. Dabei kann hochradioaktives Material entweichen und Mensch und Umwelt gefährden. Ein solcher Unfall wird als Super-GAU bezeichnet.

Film Fukushima

Hintergrundbild_Fukhusima