Schweiz schöpft Potenzial zuwenig aus

Strom aus Wasserkraft ist der wichtigste Träger schweizerischen Elektrizitätsversorgung, gefolgt von der in vier Kraftwerken produzierten Atomkraft. Die „neuen erneuerbaren Energien“, namentlich Strom und Wind, spielen nach wie nur eine Randrolle. Im europäischen Vergleich gerät die Schweiz damit mehr und mehr ins Hintertreffen, wie ein Ländervergleich der Schweizerischen Energie-Stiftung zeigt, und dürfte auch die selbst gesetzten Ausbauziele verfehlen.


Kein einziges Windrad hat sich 2019 in der Schweiz neu gedreht. Dass dennoch etwas mehr Windstrom produziert wurde, lag an den günstigen Wetterverhältnissen. Mit der Pro-Kopf-Windproduktion von 17 Kilowattstunden lässt sich ein grosser Kühlschrank einen guten Monat betreiben. Windkraft hat es in der Schweiz besonders schwer. Im dicht besiedelten Mittelland fehlt es oft an Platz, in den Alpen stellen sich Bevölkerung und Landschaftsschützer, in vielen Fällen zurecht, quer. 37 Windturbinen stehen in der Schweiz. In Östereich sind es, ausschliesslich in den östlichen Bundesländern, 1340.
Die 284 Kilowattstunden, die in der Schweiz 2019 in Solaranlagen pro Kopf produziert wurden, reichen knapp für einen täglichen Waschgang. Dennoch steht das Land im europäischen Vergleich nicht schlecht da und liegt vor sonnendurchfluteten Ländern wie Spanien oder Portugal und auch deutlich vor Österreich. Und auch wenn 2019 die Solarstromproduktion um 15 Prozent gesteigert werden konnte, so reichen dieses Zuwächse nirgends hin, um die im schweizerischen Energiegesetz für das Jahr 2035 festgelegten Ziele zu erreichen. Denn die Schweiz hat sich in einer Volksasbstimmung vor drei Jahren auch vom Atomstrom verabschiedet. Zwar dürfen die bestehenden AKWs weiterbetrieben werden, „solange sie sicher sind“, aber Neubauten sind gesetzlich verboten. Insgesamt liegt der Anteil von Wind- und Sonnenstrom am schweizerischen Elektrizitätsverbrauch bei 4,2 Prozent. Dabei ist das Potenzial vor allem der Photovoltaik gewaltig. Es liegt mit 67 Terrawattstunden einiges über dem gesamten Stromverbrauch des Landes. Dazu kommt, dass die Investitionskosten laufend sinken. In Deutschland liegen diese inzwischen unter fünf Eurocents pro Kilowattstunde. Sonne und Wind haben das Potenzial, die Säulen einer künftigen, gesamten Energieversorgung weltweit zu werden, wie die Energy Watch Group in einem Szenario vorrechnet.
Doch dazu brauche es die richtigen Anreize, schreibt die Schweizerische Energiestiftung. Diese seien in der Schweiz falsch gesetzt, vor allem für grosse Anlagen, die, anders als in der EU nicht genügend Investitionssicherheit in Form von gesetzlich garantierten Minimalvergütungen hätten. Diese Einspeisevergütungen kennen in der Schweiz nur einzelne Elektrizitätsversorger, eine gesetzliche Pflicht, über den Mindesttarif hinauszugehen, gibt es nicht. Das macht den Betrieb von grossen Anlagen für potenzielle Betreiber riskant. Tatsächlich investiert die Schweizer Strombranche vor allem in ausländische Kraftwerke. Im März 2020 erreicht die Jahresproduktion 11,5 Terrawattstunden. Das ist mehr als im Energiegesetz definierte Ziel für das Jahr 2035 von 11,4 Terrawattstunden für Solar- und Windstrom. Die Energiestiftung fordert deshalb günstigere, investitionsfördernde Rahmenbedingungen für die Stromwirtschaft.

 

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