Undicht schon vor Inbetriebnahme

Die Schweissnähte vom neuen EPR-Reaktor in Flamanville müssen erneuert werden. Der Start verzögert sich zum wiederholten Mal. Die Baukosten wachsen weiter für das seit zehn Jahren in Bau befindliche Projekt. Und die französische Atompolitik steht in der Kritik.

 

Er will und will nicht fertig werden. Neue Baumängel verzögern den Start des EPR Flamanville (Bild: EDF)

Der Start für den neuen EPR (European Pressurized Reactor) war offiziell zu Ende 2019 geplant. Doch nun ist es Essig damit. Bereits vor einem Jahr gab der Energieversorger EDF Qualitätsunterschiede hinsichtlich der Schweissnähte bekannt. Im April diesen Jahres vermutete dann die französische Nuklearsicherheitsbehörde (ASN), dass aufgrund von Schweissproblemen komplexe Arbeiten im Reaktor anstünden, die zu Verzögerungen und Mehrkosten führen könnten. Es stand zur Debatte, die Schweissnähte unverändert zu belassen, und bei Tests nachzuweisen, dass sie keine Sicherheitsproblem darstellen. Von einem Baudebakel beim französischen Energieversorger EDF ist die Rede. Es gefährde die gesamte Energiepolitik des Landes, in dem der Strom zu fast drei Vierteln aus Atomkraft stammt. Der Start des EPR war bereits mehrfach wegen Baumängeln verschoben worden; zuletzt von Ende 2018 auf Ende 2019. Von zehn Milliarden Euro Kosten und mehr ist die Rede. Ursprünglich sollte der Reaktor 3,3 Milliarden Euro kosten. Die Bauarbeiten laufen seit mehr als zehn Jahren.

Auch von der internationalen Presse hagelt es Kritik. Der französische Vorzeigereaktor werde zu einem Milliardengrab meint der österreichische Standard. Frankreich müsse seine Energiepolitik überdenken, heisst es bei den Stuttgarter Nachrichten. Der neue Zeitplan und die Baukosten werden nach der Veröffentlichung der ASN-Stellungnahme festgelegt werden.

 

Links:

Badische Zeitung "Frankreichs Vorzeigereaktor ist bereits vor Inbetriebnahme undicht"

Stuttgarter Nachrichten " Frankreich muss seine Atompolitik überdenken"

Der Standard, Französischer Vorzeigeatomreaktor wird zum Milliardengrab

Der Spiegel "Inbetriebnahme des AKW verzögert sich wegen Baumängeln"