Die US-Nuklearindustrie backt kleine Brötchen

Maria Korsnick, Präsidentin des industrienahen «Nuclear Energy Institute» plädiert für den Bau von neuen Atomkraftwerken in den USA, um das Know-How im Land zu behalten. Während Russland und China sechs beziehungsweise neun Reaktoren bauten, seien es in den USA gerade mal deren zwei. «Wenn wir so weitermachen, verlieren wir unsere Sachkenntnis», erklärte sie in einem Interview mit «Columbia Energy Exchange», einer Informations-Plattform für Energiefragen, «und damit laufen wir Gefahr, dass unsere Standards für die Nicht-Verbreitung von Atomwaffen und Sicherheit von atomaren Anlagen, für die wir uns weltweit einsetzen, nicht länger der Massstab sind.» Die Aussage lässt tief blicken in die Seele einer Industrie, die nicht mehr in die Gänge kommt. In den letzten zwei Jahrzehnten wurde gerade ein einziges AKW neu in Betrieb genommen, das Durchnittsalter der 99 Reaktoren liegt bei knapp 38 Jahren, 44 Einheiten sind schon länger als 40 Jahre in Betrieb. Und auch wenn die meisten Betriebsgenehmigungen inzwischen auf 60 Jahre ausgedehnt worden sind und von den Behörden weitere 20 Jahre in Aussicht gestellt werden, ändert das nichts an der zunehmend schlechteren Rentabilität der AKW’s. Erneuerbare Energien produzieren nicht nur immer kostengünstiger, sie haben mit einem Marktanteil von knapp 30 Prozent jenen der nuklearen Anlagen weit hinter sich gelassen, die auf 20 Prozent zurückgefallen sind. Dazu kommt die Gasförderung, die zunehmend auch für Gaskraftwerke genutzt wird, der Strom ist deutlich günstiger. Eine Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) zeigt, dass 2019 zwei Drittel der atomaren Anlagen rote Zahlen schreiben dürften, etwa ein Fünftel droht die frühzeitige Abschaltung. Die nuklearfreundliche Trump-Administration begrüsst die Forderungen seitens der Industrie nach staatlichen Fördermitteln, die Begründung ähnelt den Worten von Maria Korsnick: strategische Erfordernis und Erhalt der Infrastruktur. Dazu passt ihr Vorschlag, künftig auf kleine Atomanlagen mit Kapazitäten um 50 bis 300 Megawatt zu setzen, die etwa als Ergänzung von Kraftwerken auf erneuerbarer Energiebasis eingesetzt werden könnten. Auch «Mikroreaktoren» mit 20 Megawatt könnten in entlegenen Gebieten eingesetzt werden, wo sie nur etwa alle zehn Jahre neu bestückt werden müssten. Die Brötchen sind klein geworden.

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  • Mit seinem Film „Katanga Business“ von 2009 vermittelt der belgische Regisseur Thierry Michel nicht nur einen Einblick in die gegenwärtige Situation der Rohstoffförderung in Katanga, sondern verdeutlicht auch die eigentlichen Aufgaben eines Dokumentarfilmers – Dokumentieren statt Kommentieren.