Konzept für Atommüll Zwischenlager gescheitert

Die deutsche Anti-Atom-Bewegung positioniert sich zur Zukunft der Zwischenlagerung hoch radioaktiver Abfälle mit einer Aufforderung an Staat und Unternehmen.

Bürgerinitiativen argumentieren, das behördliche Konzept zur Zwischenlagerung sei gescheitert. Anfang November formulierten rund 70 Anti-Atom-Initiativen und Umweltverbände ein gemeinsames Positionspapier zur „Zwischenlagerung hoch radioaktiver Abfälle“. Sie fordern „neue Konzepte für eine längerfristige Zwischenlagerung“ und bemängeln die bestehenden Sicherheitsvorschriften.

Castor-Behälter auf Güterwaggon im Bahnhof Seelze, auf dem Weg von La Hague nach Gorleben 2011 (Bild: Kai Martin, Wiki Commons)

Von Seiten der Behörden wurde den Transport- und Lagerbehältern eine Sicherheit über 40 Jahre zugebilligt. Der Bundestag wird aber frühestens 2031 über einen Endlagerstandort entscheiden, bis zur Inbetriebnahme könnten aber Jahrzehnte vergehen. Das heisst, es „werden die Genehmigungen auslaufen, bevor ein Endlager in Sicht ist“, sagte Henning Garbers von der Atommüllkonferenz bei der Vorstellung des Positionspapiers in Düsseldorf der Westdeutschen Zeitung. Derzeit werden drei Optionen diskutiert. So ist ein Export von Castor-Behältern aus dem ehemaligen Versuchsreaktor Jülich in die USA im Gespräch, den viele Initiativen ablehnen und statt dessen für den Verbleib in Deutschland argumentieren. Atomtransporte mit hoch radioaktivem Atommüll in Transport- und Lagerbehältern stellen gerade auch angesichts der Terrorgefahren ein grosses Sicherheitsrisiko dar, so Jochen Stay von „ausgestrahlt“. Auch das Zwischenlagerung Ahaus nordwestlich von Münster wird abgelehnt, weil die Genehmigung dort 2036 auslaufe. Aktuell lagern mehr als 1000 Castor-Behälter mit hoch radioaktiven Abfällen in den zentralen Zwischenlagern Ahaus, Gorleben und Lubmin sowie an dezentralen Standorten in Jülich und an 12 weiteren AKWs, heisst es bei „ausgestrahlt“. Im Grunde werden „vier Optionen geprüft, denn wir sind aufgefordert, uns weiter um eine neue Genehmigung für das bisherige Lager zu bemühen“, sagt Jörg Kriewel, Sprecher der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN). Die Genehmigung für Jülich war wegen Erdbebengefahr bereits 2013 ausgelaufen. Jülich ist also das erste Zwischenlager ohne gültige Genehmigung.

 

Info zur Atommüllkonferenz:

Die Atommüllkonferenz ist ein zweimal jährliches, bundesweites Treffen von Bürgerinitiativen der Anti-Atom-Bewegung und Umweltverbänden, sowie kritischen Wissenschaftlern. Rund 70 Teilnehmer haben sich in einem Beratungsprozess während zweier Jahre auf ein Positionspapier zur Zwischenlagerung verständigt – voran ging bereits ein erstes Papier zum Rückbau von Atomanlagen.

 

Links:

Positionspapier zur Zwischenlagerung hochradioaktiver Abfälle

Ahaus wil den Atommüll aus Jülich nicht

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