Störfall in russischer Wiederaufbereitungsanlage Mayak?

Indizien verdichten sich, dass das im vergangenen Herbst in ganz Europa freigesetzte Ruthenium-106 aus der russischen atomaren Wiederaufbereitungsanlage Mayak stammen könnte. Offenbar war im Auftrag italienischer Forscher an einer Probe für ein teilchenphysikalisches Experiment gearbeitet worden. Dabei scheint etwas schief gelaufen zu sein. Aus Russland kommen Dementis.

Wortreich hatte im vergangenen Oktober der Direktor der russischen atomaren Wiederaufbereitungsanlage, M. Pokhlebaev, versichert, alles laufe normal. Er vermied es dabei allerdings, direkt auf die im September und Oktober in ganz Europa gemessenen, leicht erhöhten Werte des Radionuklids Ruthenium 106 einzugehen. Die Behörden versicherten, die Werte lägen deutlich unter der gesundheitsschädlichen Schwelle, sie erreichten noch nicht einmal das Niveau der natürlichen Hintergrundstrahlung. Die Bewohner des Dorfes Argayash im südlichen Ural, wo Ende September laut des russischen Wetterdienstes Rosgridromet die natürlichen Werte um fast das Tausendfache überschritten worden waren, dürften das etwas anders gesehen haben. Woher die radioaktive Wolke kam, davon wollten die russischen Behörden keine Ahnung haben. Doch nun verdichten sich die Indizien, dass ein Störfall in der Aufbereitungsanlage Mayak dafür verantwortlich sein dürfte. Das französische Institut für nukleare Sicherheit (ISRN) und das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz hatten die Quelle des Rutheniums 106 im südlichen Ural geortet. In etwa zu diesem Zeitpunkt hätte in Mayak ein Behältnis mit stark radioaktivem Material befüllt werden sollen, dass danach für ein teilchenphysikalische Experiment im italienischen Untergrundlabor Gran Sasso verwendet worden wäre. Die Produktion sei wegen technischen Problemen nicht möglich gewesen, beschied man den italienischen Forschern aus Russland. Nun vermutet das ISRN, es könnte dabei zur Freisetzung des Ruthenium 106 gekommen sein. Aus Russland heisst es allerdings, soweit sei man damals gar nicht gekommen, die Produktion sie aus anderen Gründen abgebrochen worden. In Russland schweigt man sich über die Ursachen indes weiter aus. Eine unabhängige Untersuchungskommission sei an der Arbeit.

Quellen:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/ruthenium-das-physik-experiment-und-die-strahlenwolke-a-1193908.html
http://www.sciencemag.org/news/2018/02/mishandling-spent-nuclear-fuel-russia-may-have-caused-radioactivity-spread-across
http://www.mensch-und-atom.org/index.php/de/item/217-zwischenfall-in-russischer-wiederaufbereitungsanlage-mayak-als-ursache-fuer-freisetzung-von-ruthenium-106

 

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